Aufbau interkultureller Lehrkompetenz

Zentrum Bildung zB - Wirtschaftsschule KV Baden

Problemstellung

Der Anteil von Berufslernenden mit Migrationshintergrund nimmt in sämtlichen Abteilungen (Kaufleute,Detailhandel, Pharma) der Wirtschaftsschule KV Baden stetig zu.

Insbesondere in Ausbildungsgängen mit tieferen Leistungsanforderungen ist der Anteil von Berufslernenden mit Migrationshintergrund sehr hoch.

Der Schulerfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hängt erheblich von den interkulturellen Kompetenzen und Sensibilitäten der Lehrpersonen ab.

Häufig erleben Lehrpersonen die ethnisch-kulturelle Heterogenität in der Schulklasse als Verunsicherung

Sie werden in ihrer Ausbildung unzureichend darauf vorbereitet.

Die politische Verhärtung im Thema "Integration" versetzt die Lehrpersonen zwischen die polarisierten Fronten. Ein vernünftiger Dialog über pragmatische Lösungen auf schulischer Ebene wird erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht.

Pilotprojekt : Ausbildungsoffensive

Das Projekt will eine Ausbildungsoffensive lancieren. Es sollen interkulturelle Lehrkompetenzen vermittelt werden, damit die Herausforderungen im Schulalltag auf einem besseren Fundament bewältigt werden können.

Das Projekt geht von der Prämisse aus, dass sich Schule und Gesellschaft auf ein Zusammenleben und -arbeiten verschiedener Kulturen einlassen müssen.

Berufsschulen sind eine Schlüsselstelle für das Gelingen der Integration.

Ziel des Projektes ist es, die interkulturelle Lehrkompetenz der Lehrpersonen so zu fördern, dass ein ressourcenorientierter und konstruktiver Umgang mit Multikulturalität im Unterricht möglich wird.

Vorarbeiten

An der Wirtschaftsschule KV Baden wurden im Frühsommer 2016 zum Thema zwei Umfragen – einmal bei allen Lehrpersonen, einmal bei allen Berufslernenden des 1. und 2. Lehrjahrs – durchgeführt. Die Ergebnisse wurden ausgewertet, um den konkreten Handlungsbedarf bezüglich der Ausbildungsinhalte zu bestimmen.

Die Projekt-Mitverantwortliche, Frau Michèle Collenberg, befasst sich im Rahmen ihres Dissertation am Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St.Gallen mit der Frage, wie ein wirksames Lehr-/Lernkonzept für die Entwicklung interkultureller Lehrkompetenz gestaltet sein soll. Die Erkenntnisse werden für das vorliegende Projekt genutzt.

Projektschritte

  1. Präsentation der Ergebnisse der Umfragen sowie Diskussion der Schlussfolgerungen mit Lehrpersonen und Berufslernenden
  2. Konzeption von konkreten Weiterbildungsveranstaltungen für die Lehrpersonen
  3. Durchführung von Weiterbildungsveranstaltungen im Workshop-Format
  4. Evaluation und Weiterentwicklung des Konzepts (Transfer)

Konzept-Entwurf

Der Konzept-Entwurf soll im Rahmen des Pilotprojekts an der Wirtschaftsschule Baden erprobt und danach, aufgrund der Ergebnisse, weiter entwickelt werden.

Er umfasst folgende Teile:

  1. Erwerb kultureller Sensibilität
    • Aneignung von Informationen zu wichtigen Herkunftsländern der Berufslernenden
    • Auseinandersetzung mit verschiedenen kulturellen und religiösen Wertesystemen und Analyse der Folgen für den Unterricht
    • Reflexion der eigenen Kulturgebundenheit
  2. Führungskompetenz in multikulturellen Klassen
    • Auseinandersetzung mit spezifischen Rollen als (Klassen)Lehrperson in multikulturellen Klassen
    • Techniken interkultureller Kommunikation kennen und anwenden
  3. Individualzentrierte pädagogische Kompetenz
    • Berücksichtigung von interkulturellen Thematiken in didaktischen Konzeptionen
    • einen persönlichen Zugang zu den Berufslernenden herstellen
    • die individuellen Voraussetzungen der Berufslernenden bei der Planung, Umsetzung und Evaluation des Unterrichts berücksichtigen
  4. Interkulturelles Konfliktmanagement
    • Auseinandersetzung mit konkreten interkulturellen Konfliktsituationen im Schulalltag
    • Umgang mit Diskriminierung und Rassismus im Schulzimmer

Ergebnisse des Projekts

Die Ergebnisse des Projekts, insbesondere das Ausbildungskonzept zur Förderung interkultureller Lehrkompetenz, wird publiziert. Vorgesehen ist insbesondere eine Publikation in den Berufsbildungsmedien, im "Panorama" und im Newsletter der SGAB.

Eine erste Präsentation der Projektvorhabens erfolgte 2017 am Bildungs-- und Schulleitungssymposium in Zug.

Partner

Projektpartner ist das Zentrumbildung Wirtschaftsschule KV Baden, Herr Jürg Pfister, Rektor Grundbildung. Projektleiter sind: Herr Serdar Ursavas und Frau Michèle Collenberg, Zentrumbildung Wirtschaftsschule KV Baden

Die Stiftung engagiert sich 2018 mit CHF 51‘000.

Website: www.zentrumbildung.ch